Inferno Halbmarathon am 22 August 2009 in der Schweiz

Ein konzentrierter Blick...5min später folgte der Start
Ein konzentrierter Blick...5min später folgte der Start

 

Inferno Halbmarathon – steil, steiler am steilsten
Vierhundertfünfzig Bergläuferinnen und Bergläufer starteten im nebelverhüllten Lauterbrunnnen (795 Meter über Meer)  bei optimalen Temperaturen zum Inferno Halbmarathon 2009.

 

„Es war hart, sehr hart!“, meinte die Inferno Debütantin im Ziel. Sie hätte nicht gedacht, dass es so steil sei.

 

Begeisterte Athleten und glückliche Organisatoren
Das Wetter meinte es gut mit den Athletinnen und Athleten. Weder eiskalte Temperaturen mit Schneefällen auf dem Schilthorn noch die am meisten gefürchteten Gewitter waren dieses Jahr für das Berner Oberland prognostiziert.

Die Rennen wurden von keinen schweren Unfällen überschattet.

 

 

 

Bei diesem(einer der härtesten Halbmarathons der Welt) werden sehr hohe Anforderungen gestellt!

Laut Ausschreibung sollen hier nur sehr gut trainierte Bergläufer/innen teilnehmen.Es wird in der Ausschreibung daraufhingewiesen,das der Lauf Gefahren in sich birgt und das Risiko ernsthafter Verletzungen bis hin zu tödlichen Unfällen nicht ausgeschlossen werden kann.Ich befreie die Veranstaltervon Schäden sowie sämtliche Ansprüche,die ich oder meine Erbenaufgrund von erlittenen Verletzungen oder im Todesfall geltend gemacht werden.

Das ist nur ein kleiner Auszug der Ausschreibung,es gibt 12 Punkte,die zu beachten sind.

 

Der Start erfolgte um 10:15Uhr direkt auf dem Camping Jungfrau.Es war mit 15 Grad recht angenehm.Ich stand  am Start in der 3 Reihe.Laut Ausschreibung sollen die ersten 11km ziemlich "harmlos" sein,"mit rund 800 Höhenmetern bloss mal ein Einlaufen."

So stellte ich mich darauf ein,erstmal Gas zu geben,solange es möglich ist und lief den ersten km in 4:15min.Aber wenige Meter danach ging der Anstieg schon los.

 

Bild von 2008
Bild von 2008

Erst kam Asphalt,dort ist das Laufen noch problemlos möglich gewesen,wenn auch deutlich langsamer und später ging es in den Wald hinein,wo dann auch das erste Mal meine Uhr den Satelliten verlor und mir daher 800m Aufzeichnung fehlen.

Bild von 2008
Bild von 2008

Schon jetzt machten sich meine Waden mit leichtem Ziehen bemerkbar und ich wusste,das ich in der letzten Zeit kein Bergtraining bzw.Steigungen auf dem Laufband gelaufen war.Dann kam auch schon der erste Verpflegungsstand,danach liefen wir in den Wald.

Bild von 2008
Bild von 2008

Die Steigungen hörten einfach nicht mehr auf...

Ab km 5 kam dann noch der Nebel hinzu,der teils so dicht war,das man die Läufer vor einem nicht mehr erkennen konnte und praktisch blind ins Nirgendwo lief.Leichter Nieselregen kam mir jetzt auch gut gelegen,es war schön etwas abzukühlen.Gedanken kamen auf,"was mich wohl noch alles erwarten würde","ob ich es wirklich bis aufs Schilthorn schaffen könne",oder ob der Körper vielleicht schlapp machen wird und ich Krämpfe bekommen werde" ?

 

Auf jeden Fall wollte ich da hoch und unbedingt so schnell,das ich noch ein Finisher-T-Shirt in Größe S abbekommen würde.Das war mein Ziel!!

Aber als ich immermal Gehpausen einlegen musste,war meist die eine Frage offen "schaffe ich es wirklich unter der vorgegebenen Zeit dort hochzukommen?"(4:15h)

 

Bei km 9 erreichte ich Mürren und endlich,nach 8km Aufstieg,ging es jetzt knapp 2km ohne Steigung weiter.Ich beschleunigte sofort und wusste,jetzt muss ich Zeit gutmachen!Ich fühlte mich einbischen wie beim Bokel Triathlon!Aufholen war angesagt.Ich überholte viele Männer und 4 Frauen,die gar nicht daran dachten zu beschleunigen und locker liefen.Die flache Strecke liegt mir einfach besser.Und ich dachte mir schon,die Läufer,dich ich jetzt überhole,werden mich spätestens wieder auf den nächsten Berg einholen.

Dann folgte km 10 und es ging über eine Zeitmatte.Mir ging es wieder recht gut nach den flachen 2km,ich konnte mich gut erholen und habe gedacht,nur noch 11km,das wird schon werden!

Jetzt kam aber die durchaus viel schwierige Hälfte.

In Worten kann ich die heftigen Anstiege nicht beschreiben und auch auf den Fotos sieht alles nicht so steil aus,wie es wirklich ist!

Es ging jetzt nur noch bis auf kleine Teilstücke steil bergan,erschwert wurde es durch 1)den dichten Nebel,der immernoch da war

         2)dem leichten Regen,was zur Folge hatte,das die gesamte Strecke und Steine/loses Geröll nass und rutischig war,und man keinen richtigen Halt mehr auf den letzten km hatte.Meine "Vorderleute" und ich sind viele Male weggerutscht,ich hatte meine alten roten Racer an,die sowieso vorne schon kein Profil mehr haben.War aber nicht so tragisch für mich.

Es ging über lose Steine,Geröll,über kleine Flüsse musste gesprungen werden,es musste sogar einige Male auf allen Vieren geklettert werden,viel Halt hatte dennoch niemand auf den nassen Steinen.Es ging Stufen hinauf,einmal mussten wir sogar steil bergab laufen.Die letzten 2-3 km waren die gefährlichsten,es ging öfter steil am Abhang entlang,der Weg war gerade mal Fußbreit und es war nass,ich möchte mir gar nicht vorstellen,wenn es jetzt noch angefangen hätte zu schneien oder zu gewittern.Da Oben braucht man wirklich starke Nerven,viel Durchhaltevermögen und Selbstmotivation ist mit das Wichtigste!Höhenangst in den Bergen darf man auch nicht haben.

Bild von 2008
Bild von 2008
einbischen klettern
einbischen klettern
ca km 20
ca km 20
Netze haben die Läufer vor dem Fall in die Tiefe bewahrt.
Netze haben die Läufer vor dem Fall in die Tiefe bewahrt.

Je höher ich kam,und umso dünner die Luft wurde,desto schwerer wurde das Atmen,andauernd lief mir das Regenwasser vom Kopf und der Nase.Es wurde auch immer kälter,aber vor Aufregung und Anstrengung fühlte ich kaum die Temperaturen,die im Ziel weniger als 5 Grad aufwiesen.Einige Läufer hatten sich in Mürren eine Jacke oder einen Pullover angezogen,die ihnen durch Familienangehörige oder Freunde gereicht wurden.Unser Einer hat die kalte Luft so ertragen müssen und sich durchgebissen,aber nächstes Jahr werde ich mir auch mehr anziehen oder eine Jacke mitnehmen!Und einen Blitzableiter,falls ein Gewitter aufkommt ;-) Dann noch einen Schlitten für den Schnee....nein,Scherz :))

Schnee habe ich auch gesehen,das war wirklich eine harte und kalte Atmosphäre da oben und bei starkem Schneefall kann ich mir gar nicht vorstellen dort überhaupt hoch zu kommen,es war ja jetzt schon schwierig,durch das lose und nasse Geröll.Da hat man so gut wie keinen Halt mehr.Aber selbst dann bleibt einem keine Wahl und man muss dennoch versuchen irgendwie hochzukommen,denn einen Besenwagen gibt es nicht!Und runter gehen ist noch gefährlicher!Ich hoffe für nächstes Jahr mal auf gutes Wetter.

Knapp 3km vorm Ziel war der Zielsprecher schon zu hören,es hallte duch die ganzen Berge und jeder Läufer/in wurde im Ziel mit Name und Herkunftsland begrüßt.Man hatte also auf den letzten Kilometern sogar noch etwas Unterhaltung.

Bild von 2008  ...500m vorm Ziel
Bild von 2008 ...500m vorm Ziel
kurz vorm Ziel
kurz vorm Ziel

Als ich mich dem Ziel näherte wurde meine Freude immer größer,das Gefühl da hochgelaufen zu sein und es in einer super Zeit von 3:14,39h geschafft zu haben ist in Worte nicht zu beschreiben.

Die Worte der Siegerin kann ich nur recht geben:

„Es war hart, sehr hart!“, meinte die Inferno Debütantin im Ziel. Sie hätte nicht gedacht, dass es so steil sei.

 

Im Ziel war ich so überwältigt und teils erschöpft,das ich es knapp 15min nicht geschafft habe,ganze Sätze rauszubekommen,sondern nur Laute,wie "ja" oder "ok",kein Wunder,wenn einem dann auch noch vor Freude die Tränen kommen!

Ich kann nicht annähernd betonen,wie hart dieser Lauf gewesen ist.

25,6% Steigung im Durchschnitt auf den steilsten km,man muss es erlebt haben,ich hätte im Traum nicht gedacht,das ich in 3:14min dort hochkomme,die Zeitvorgabe war 4:15h.Ich hatte also noch eine ganze Stunde Zeit gehabt!!

 

Ergebnis:

11 Platz in meiner AK (von 28)

Gesamtfrau:27 Platz (von 80)

Als 3. !! Deutsche Teilnehmerin ins Ziel gelaufen

419 von 450 Teilnehmer ins Ziel gekommen

 

 

 

Ich habe es auch geschafft und ein Finisher Shirt in Größe S abbekommen.

Meinen Kleiderbeutel habe ich auch sehr schnell in die Hände gedrückt bekommen und konnte mir schnell was Trockenes anziehen.

Im Ziel gab es reichlich Verpflegung,wie auch auf den Verpflegungsständen,die alle 2,5km vorm Nebel hervorkamen.

Von Wasser,Isostar,Bullion,Kakao,Cola,Ovomaltine,Isostar Long Energie,Isostar Riegel,Food und Gel,Bananen,Kuchenstücke,Schokolade uvm.

 

Danach ging es mit der Seilbahn zurück nach Mürren,wo wir dann unsere Sporttaschen beim Sportcenter in Empfang nahmen und uns warm duschen konnten.Hat alles super geklappt und auch das Seilbahnfahren war mal wieder ein schönes Erlebnis gewesen,auch wenn trotz des Nebels nicht so viel Sicht auf die Berge vorhanden war.

Blick aus der Seilbahn
Blick aus der Seilbahn

Nach dem Duschen lösten wir dann unseren Pasta Gutschein ein.Der Teller wurde reichlich befüllt und ein großes Stück Brot gab es auch dazu.

Danach schauten wir noch beim Staffel Triathlon zu und machten uns dann bald auf zur Bergbahnstation.Eine Station ging es danach noch mit der Seilbahn runter,bis wir endlich wieder in Lauterbrunnen waren.Die Fahrten waren für die Läufer kostenlos und anhand der Startnummer möglich.

 

Fazit:Eine super organisierte und rundum gelungene Veranstaltung!!

Aber eine sehr,sehr harte Strecke!!

 

In der Schweiz ist das Laufen am schönsten und anstrengsten!!

 

 

 

 

 

Warmlaufen in der Schweiz
Warmlaufen in der Schweiz